Iran: Konsequenzen für die Wirtschaftsbeteiligten
Was sollten Manager in der Supply Chain jetzt bezüglich des Handels mit dem arabischen Raum beachten? Nach dem Angriff auf den Iran durch die USA und Israel reagieren Wirtschaft und Verbraucher. Lieferketten, Transportwege und Kosten sind derzeit schwer zu kalkulieren. Wir fassen die wichtigsten Punkte für Unternehmen zusammen.

Sprit, Gas und Heizöl werden signifikant teurer, auch wenn derzeit wohl keine Versorgungsengpässe zu befürchten sind. Die Inflation wird dadurch angetrieben, Aktienkurse fallen, Transportwege werden bedroht, in der Folge werden Ausweichrouten notwendig.
Dies zwingt die Entscheider in den Unternehmen nun zu konsequentem Handeln.
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Insbesondere bezüglich der Einkäufe sollten einige vertragliche Aspekte beachtet werden. Hier eine kleine Liste mit wichtigen Punkten, die prinzipiell immer gelten, aber in dieser Situation besondere Beachtung finden sollten:
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Rechtliche Rahmenbedingungen: Die Vertragsgestaltung mit dem Nahen Osten wird oft beeinflusst von Islamischem Recht (z. B. Wucherverbote, Verzugszins-Regelungen) und insbesondere der dortigen nationalen Gesetzgebung (z. B. Handels- und Zivilrecht). Für deutsche Einkäufer ist deshalb empfehlenswert über Schiedsklauseln (ein Schiedsgericht für Streitfälle), das anwendbare Recht (z.B. UN-Kaufrecht (CISG)), die Vertragssprache etc. besonders nachzudenken.
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Lieferbedingungen (Incoterms 2020): Die Klauseln DAP / DDP werden oft bevorzugt, da hier der Verkäufer mehr Verantwortung trägt und der Käufer weniger finanzielle Risiken und so größere Planungssicherheit hat. Alternativ eignen sich besonders die Klauseln CIP für alle Stückgut- und Container-Transporte oder für Bulk-Güter im Seeverkehr auch CIF.
Bitte beachten Sie: EXW ist grundsätzlich ungeeignet, da Zoll- und Exportformalitäten gerade im arabischen Raum komplex sein können.
- Frachtversicherungen: Wichtig ist, die Transportversicherungsbedingungen zu kennen, besonders bei Instabilitäten in der Region. Die Gebühren sind für diesen Bereich schon in den letzten Tagen erheblich angehoben worden. Hapag-Lloyd erhebt ab 2. März 2026 einen Kriegsrisikozuschlag erhoben, CMA CGM wird ab 16. März einen Notfallaufschlag auf Kraftstoffe erheben.
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Zahlungsbedingungen:
Das Akkreditiv (Letter of Credit / L/C) wird im arabischen Raum besonders häufig angewendet, da es eine hohe Rechtssicherheit bietet. In Kombination mit einem passenden Incoterm bietet es einen guten Schutz vor Zahlungs- und Lieferrisiken. Eine Abstimmung mit allen für die Einfuhr notwendigen Dokumente sollte durchgeführt werden.
Auch Vorkasse wird manchmal verlangt, birgt aber für den Käufer höhere Risiken, ebenso wie das Dokumenteninkasso, das für den Käufer eine probate Zahlungsbedingung sein kann.
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Force-Majeure-Klausel (Absicherung im Kriegsfall): In der aktuellen geopolitischen Lage gewinnt diese Klausel zunehmend an Bedeutung. Sie sollte klar definieren, was als höhere Gewalt gilt (Krieg, militärische Konflikte, Sanktionen, Blockaden, Hafen- oder Grenzschließungen), welche Mitteilungspflichten bestehen (sofortige Information, Nachweise durch Behörden) und welche Rechtsfolgen eintreten (zeitliche Verlängerung der Lieferfristen, temporäre Suspendierung der Leistung, Möglichkeit der Vertragsauflösung bei längerer Dauer).
Tipp: Konflikte rund um Iran und den Persischen Golf sollten Sie explizit benennen, da diese Transportkorridore für Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain und Oman relevant sind. Hilfe für die Formulierung der Force Majeure Klausel erhalten Sie z. B. auf der Seite der Webseite der ICC Germany.
- Sanktionen und Exportkontrolle: Vergessen Sie nicht, dass Sie neben diesen vertraglichen Besonderheiten auch die EU-Sanktionslisten und US-Listen prüfen müssen. Das Gleiche gilt für die Prüfung Ihrer Güter auf Dual-Use-Eigenschaft und ob Ihre Waren Militärgüter sein könnten oder eine kritische Verwendung vorgesehen ist. Bei einem Transit über Drittländer sollten Sie sicherstellen, dass keine indirekten Sanktionsverstöße entstehen (Umgehungsgeschäfte!). Bei Verstößen gegen die entsprechenden Normen drohen zum Teil drastische Strafen.
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